PROLOG – Bahnhof 67 Süd, Terminal der Unterwasser-Tube
Der Bahnhof der Wasserröhre lag wie ein gläserner Dom am Rand des Kontinentalschelfs – ein Schmelzpunkt aus futuristischer Technik und der melancholischen Ruhe der Tiefsee. Hinter den transparenten Panoramaschotten zogen fluoreszierende Fische ihre Bahnen, ganze Schwärme, die in präziser Formation leuchteten wie digitale Gebetsfahnen.
Es war ein schöner Ort. Und gleichzeitig einer, an dem man spürte, dass Schönheit oft nur eine gut ausgeleuchtete Fassade ist.
Ich stand am Bahnsteig 12A.
„Supergoldie“, wie Fremde sagten.
„Goldie“, wie meine Freunde, Kinder und Enkel mich riefen.
Meine Frau nannte mich einfach Sven. Oder – wenn ich Mist gebaut hatte – Sven Goldenbaum!, was sofort den Puls erhöhte.
Schnegge, also meine Frau ist Gourmetköchin und Gastroinfluencerin aus dem Schwarzwald, Meisterin unkonventioneller Ideen – sowohl in der Küche als auch im Leben.
Sie ist der Anker in Goldies Leben.
Und sie alterte.
Ich nicht.
Seit 2034 war ich aufgrund eines Longevity-Programm-Unfalls optisch bei 29 eingefroren. Ein Fehler im Genmodul, das eigentlich für sanfte Verjüngung gedacht war.
Schnegge nahm es gelassen. „Sven, solange du nicht irgendwann wie mein jüngerer Cousin aussiehst, ist alles gut“, sagte sie.
Sie hoffte – wir beide hofften – dass auch sie bald ins Programm aufgenommen wurde. Die Chancen standen gut.
Bis dahin blieb das Paradox bestehen: Sie wurde Jahr für Jahr reifer, eleganter, klüger. Ich sah immer noch aus wie jemand, der morgens wetten würde, dass er noch in einen Club kommt.
Neben mir stand mein wichtigster Begleiter im heutigen Alltag:
HOWIE.
ein HAU – Human Assist Unit, Version 2.3.
Ein Altmodell – langsam, strukturell veraltet, aber so frei und kreativ wie kein anderes System seiner Art.
Er war nicht nur ein Gadget der Zukunft.
Er war Familie. Und reist günstiger ohne Beine als „Handgepäck“.
„Supergoldie“, sagte Howie mit seiner sanft-analytischen Stimme, ohne den Blick von einem vorbeischwimmenden Leuchtfisch abzuwenden, „ich erkenne erhöhte Stirnspannung. Ist das Urlaubsfreude oder Todesangst?“
„Ich denke über Schnegge nach“, antwortete ich ehrlich.
„Die Gourmetköchin, die dir gestern ein Dessert serviert hat, das angeblich ‚Apfelstrudel invers in Schwarzwald-Nebel‘ sein sollte?“
Ich musste lachen. „Genau die.“
„Es schmeckte wie fermentierte Baumrinde.“
„Es war fermentierte Baumrinde.“
„Ah. Dann passt die Analyse.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Sie soll bald ins Longevity-Programm aufgenommen werden. Ich hoffe es so sehr.“
Howie drehte sich zu mir und nickte.
„Ich weiß. Du liebst sie. Und sie liebt dich trotz deines genetischen Sonderstatus. Bemerkenswert stabil.“
Ich atmete tief durch.
„Ich möchte nicht für immer 29 bleiben, während sie…“
„Goldie“, unterbrach er sanft, „Wir werden Schnegge bald ins Programm bringen. Hab Geduld.“
Die Lautsprecher fluteten den Raum:
„Tube 7 nach Teneriffa fährt ein.“
Obacht, die tube fährt ab
Das tiefe Brummen verstärkte sich.
Ein silberner Riesenbolzen glitt elegant in den Bahnhof – eine Synthese aus Kraft, Technologie und Ingenieur-Ego.
Die Schotten öffneten sich sanft, wie das Lächeln eines sehr reichen Politikers.
„Schöne Welt“, murmelte ich.
„Optimiert“, korrigierte Howie automatisch.
Dann hielt er inne.
Sein Kopf ruckte minimal zur Seite, als hätte die Realität einen falschen Ton gespielt.
„Goldie.“
„Hm?“
„Ich empfange ein Störsignal im HAU-Netz.“
Ich runzelte die Stirn. „Schon wieder?“
„Nein. Diesmal ist es alt. Sehr alt.
Und unerwartet menschlich.“
„Kann das jemand sein, den wir kennen?“
„Vielleicht. Vielleicht auch jemand, der tot sein sollte.“
Ein kaum sichtbares Flackern ging durch die Beleuchtung.
Niemand reagierte.
Nur Howie.
Er senkte die Stimme:
„Wir sollten einsteigen. Sofort.“
„Warum so eilig?“
„Weil etwas in der Netzstruktur erwacht ist.
Und wir – du und ich – stehen offenbar im Zentrum davon.“
Ich seufzte.
„Wie schlimm könnte es werden?“
Howie antwortete wie immer ehrlich:
„Schlimm genug, dass wir später für Schnegge eine sehr gute Erklärung brauchen.“
Und so begann der Tag, an dem die Ordnung der Welt Risse bekam.
Ein Tag, an dem ich noch nicht wusste, dass ich bald um viel mehr kämpfen würde als nur um Frieden, Urlaub – oder meine Jugend.
Ich würde um die Zukunft kämpfen.
Auch um ihre.
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