„Mama, alles falsch!“ – Wenn Kleinkinder die Welt sortieren

Pforzheim, ein Nachmittag im Frühsommer. Spielzeug liegt verstreut auf dem Teppich. Zumindest für wenige Minuten. Dann stapft die dreijährige Emma durch das Zimmer, nimmt jedes Modellauto in die Hand, betrachtet es und legt es in einer akkurat gezogenen Reihe ab. Nach Farben sortiert. Dann nach Formen. Dann nach Größe.
„Und wehe, ich nehme ein Teil heraus“, erzählt ihre Mutter. „Dann fängt sie von vorne an. Manchmal stundenlang.“

Die Mutter wirkt erschöpft, als sie das berichtet. „Ich frage mich: Ist das noch normal? Oder ist meine Tochter vielleicht autistisch?“

Sortierte Carrera Autos

Ordnung als Spiel oder Symptom?

Die Szene, die ich für meine TV-Produktion in Karlsruhe begleite, ist berührend – und symptomatisch für die Fragen vieler Eltern. Kleinkinder, die stundenlang sortieren, ordnen, neu arrangieren. Für manche Außenstehende wirkt das auffällig, fast zwanghaft. Doch für Fachleute ist zunächst wichtig: Ordnung ist ein Entwicklungsbaustein.

„Struktur gibt Sicherheit“, erklärt mir eine Psychologin beim Dreh an der Universität Stuttgart. „Viele Kinder finden im Wiederholen von Mustern einen Weg, die Welt zu begreifen. Das ist an sich kein Hinweis auf Autismus.“

Und doch: Wenn Ordnung zum alles bestimmenden Prinzip wird, wenn das Kind in sozialen Situationen kaum flexibel reagieren kann, dann lohnt sich eine genauere Beobachtung. Genau hier setzen aktuelle Studien der Uni Stuttgart an, die ich in meine Recherche für den Fernsehbeitrag einbeziehen konnte.

Zwischen Angst und Realität

Die Mutter, die wir in unserer Videoproduktion in Pforzheim porträtieren, wirkt hin- und hergerissen. Einerseits ist sie stolz auf die Präzision ihrer Tochter. Andererseits bedrückt sie das Gefühl, etwas könne „nicht stimmen“.
Vielleicht, denke ich während der Dreharbeiten, ist es nicht das Kind, das hier ein Problem hat – sondern die unterschiedliche Wahrnehmung von Mutter und Tochter. Wo das Mädchen Struktur liebt, empfindet die Mutter Chaos, sobald ihre gewohnten „Regeln“ nicht mehr greifen.

Die filmische Herausforderung

Als Journalist und Filmemacher – und mit Produktionsstandorten in Stuttgart, Karlsruhe und Pforzheim – sehe ich meine Aufgabe nicht nur im Dokumentieren. Es geht auch darum, die feinen Nuancen sichtbar zu machen: die zarten Zwischentöne zwischen Spiel und Symptom, zwischen der Angst einer Mutter und der Selbstverständlichkeit eines Kindes, das seine Welt einfach nur ordnen will.

Manchmal, das zeigt sich während der Drehs, genügt ein Perspektivwechsel. Aus der Ferne betrachtet, ist Emmas Verhalten nichts anderes als eine frühe Lektion in Struktur und Selbstorganisation. Eine Fähigkeit, die ihr später im Leben nützen könnte.

Und vielleicht liegt die eigentliche Frage gar nicht bei Emma. Sondern bei uns Erwachsenen: Warum sehen wir Ordnung oft als Abweichung – und nicht als Stärke?

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