„Nagoldbad: Wo Querschwimmen kein Vergehen, sondern Volkssport ist“
Eine Glosse von Sven Goldenbaum:
Es gibt Orte, an denen die Schwimmbahn so heilig ist wie die Mittellinie beim Fußball. Ich bin viel in Bädern in der Region rumgekommen und kann bestätigen: Dort wird die Bahntrennung zelebriert wie ein feierlicher Akt – mit Leinen, Flaggen und dem stillen Verständnis, dass Querschwimmen ein Sakrileg ist. Im schönen Karlsruher Sonnenbad wiederum spürt man fast den Hauch olympischer Disziplin, sobald man ins Wasser gleitet – rechts schwimmen, links überholen, und wehe, man kommt auf die Idee, im Zickzack zu paddeln.

„Das letzte Paradies für Zickzack-Schwimmer“
Und dann gibt es das Pforzheimer Nagoldbad. Dort herrscht eine Art aquatische Anarchie, die jedem Verkehrsplaner Albträume bescheren würde. Statt klarer Bahnen – Wasserwildnis. Statt geordnetem Sportbetrieb – der flüssige Gegenentwurf zum Straßenverkehrsrecht. Offizielle Begründung: „Zu aufwändig, geht nicht.“ Klar, denn drei Leinen in ein 33-Meter-Becken zu spannen wäre ungefähr so kompliziert wie ein Start-up in der Garage zu gründen.

Schwimmen ohne Spur
Man könnte meinen, Bahntrennung sei eine hochkomplexe Ingenieursleistung, vergleichbar mit dem Bau des Brenner-Basistunnels. In Wahrheit aber bräuchte es nur ein bisschen Seil, ein paar Haken – und vielleicht den Willen, das Wort „Disziplin“ auch mal buchstabieren zu wollen. Bis dahin bleibt das Nagoldbad eben das, was es ist: das letzte freie Biotop für Querschwimmer. Immerhin: Wer hier seine Bahnen geradeaus schafft, der kann’s überall.
Am Ende wird aber alles gut, dem Engagament des Fördervereins-Nagoldbad und der Pforzheimer Bäderbetriebe sei Dank:
Bis zur Saison 2026 gibt es an gleicher Stelle im Nagoldtal ein neues Edelstahlbecken – technisch up to date und hoffentlich mit den vielzitierten Schwimmseilen.